Leseprobe Fimbul

Willkommen im Wochenende!

(Zumindest für einige von uns – an alle anderen: haltet durch!)

 

Hallo, da bin ich wieder. Wie in meinem vorigen Post versprochen darf ich heute eine Leseprobe vorstellen. Und zwar aus meinem neusten, derzeit sich in Arbeit befindlichen Werk. Seite 20 lässt schön grüßen. Aber die Idee ist weit ausgereifter, nur eben noch nicht zu Papier – Pardon, zu Computer gebracht.

Und nun bleibt nicht mehr zu tun als euch viel Spaß zu wünschen.

***

»Wir müssen um Hilfe bitten. Wir können ihn nicht alleine schlagen«, verkündete ich, als Stille eingekehrt war. »Selbst wenn wir eine Armee hätten, könnten wir das nicht. Seine sind die Drachen, seine allein«, erwiderte Alvarr, der Dorfälteste mit seiner sonoren Stimme. »Als ich noch jung war, erzählte unser Dorfältester damals Geschichten. Geschichten über die Kinder der Götter. Halbgötter mit Kräften, von denen unsereins nur träumen kann. Was, wenn wir sie finden können?«, fragte ich. »Sie müssen hunderte, tausende Jahre alt sein, doch wahrscheinlicher ist, dass sie alle tot sind«, sagte er dann spöttisch und erntete vielerlei Zuspruch.

»Wenn einige von ihnen am Leben sind, würdet ihr euch der Schlacht anschließen?«, fragte ich und versuchte, jedem von ihnen in die Augen zu blicken. Ich wusste, dass es lächerlich aussehen musste, wie eine alte, gebrechlich wirkende Frau die wackeren und kräftigen Männer der Gemeinschaft zum Kampfe rief.

Stille.

Mein Mut sank und ich biss mir auf die Lippe. War dies das Ende? Würden wir uns geschlagen geben? Würde das unser Ende sein? Würden wir ausharren, bis er seine halbtote Fratze unserem Dorf zuwandte, um uns allen ein Ende zu setzen? Würden wir sterben wie die Fliegen?

»Aye!«, knurrte Keid ‚Wolfsbann’ und erhob seine Faust, die beinah so groß war wie der Kopf seines 10-jährigen Sohnes. Seinem Beispiel folgend, erhob sich nun jede Hand im Raum, begleitet von barbarischem Gebrüll.

Draußen in den Wäldern war ich etwas zur Ruhe gekommen. Ich sog die eisige Luft versetzt mit dem vertrauten Duft der Tannen in mich auf. Jeder von uns hatte Angst im Herzen, die lauter trommelte als die Trommeln an den Festen der Stämme. Ich dachte über die vor mir liegende Aufgabe nach. Wie sollte ich die Kinder der Götter denn jemals finden? Sollten mir die Drachen auf meiner Suche begegnen, so würden sie mir schneller den Garaus machen, als dass ich auch nur blinzeln konnte.

Ich kniete mich in den frisch gefallenen Schnee. Warum hatte ich mich dazu entschlossen, sie zu suchen und zu finden? ‚Weil ich leben will. Und wenn ich sterben soll, will ich als eine freie Frau sterben, stehend und ihnen in die Augen blickend.’

Aus meinem Beutel fischte ich ein Bündel Stroh, einen Feuerstein und die getrockneten Gräser eingewickelt in ein Tuch – das letzte Geschenk meiner Mutter an mich, bevor sie gestorben war. Mein wertvollster Besitz. Sie hatte mir gesagt, die Gräser wären magisch, aus dem Garten der Götter. Als Kind hatte ich ihren Geschichten Glauben geschenkt, denn sie war es, die mir lange vor dem Dorfältesten die Legenden gelehrt hatte. Und ich hatte sie aufgesogen wie Muttermilch.

Doch als ich erwachsen wurde, hatte ich die Geschichten vergessen. Oder ihnen weniger Bedeutung beigemessen. Nun aber, in dieser verzweifelten Stunde, kamen sie mir wieder in den Sinn. »Wenn du je zu den Göttern sprechen musst, suche einen geheiligten Ort auf und verbrenne die Gräser. Gebrauche sie weise«, hatte sie gesagt.

Niemals, hätte ich gedacht, dass ich sie brauchen würde. Ich dachte, ich würde sie einst an meine Kinder geben, mit derselben verheißungsvollen Stimme. Doch selbst wenn ich sie an dieser Stelle nicht gebraucht hätte, wäre es nie dazu gekommen.

Es war kein geheiligter Ort. Doch still. Mit meinen knotigen Händen schob ich den Schnee beiseite und bedeckte den Boden mit Stroh, das ich mit dem Feuerstein entzündete. Als es glomm, legte ich die Gräser darauf und wartete.

Der Wind strich mir durch mein graues Haar, doch sonst passierte nichts. Nur ein mehr als angenehmer Duft umwehte mich. Ein Duft wie Frühling nach einem langen, harten Winter. Zumindest so,wie ich ihn aus Orlendarjord kannte. Aber es roch auch wie frisch gefallener Schnee, wie gebackene Äpfel mit Zimt und Honig, wie der erste Kuss, heiß und feucht, unerfahren und so voller Leidenschaft.

»Du hast uns nie gebeten, zu kommen, doch wissen wir, was dein Herz begehrt zu sagen«, ertönte eine Stimme hinter mir. Mein Herz machte einen Hüpfer und ich drehte mich um. Doch da war niemand. Nirgends. Ich war allein.

Mein Puls beschleunigte sich.

»Du bist hier, um zu sprechen, nicht zu sehen, Kind«, ertönte die Stimme, unmissverständlich die einer Frau, erneut. Ich räusperte mich. »Ich … meine Mutter erzählte mir einst eine Geschichte … über die Kinder der Götter.« Ich verstummte. Hatte mich die Stimme gehört? War sie noch da? »Fahre fort, Kind«, forderte sie sanft. »Sie erzählte mir von Kräften, die unsereins nicht hat und niemals haben wird, wovon wir nicht zu träumen wagten…«, begann ich mit einem plötzlichen Zittern in der Stimme, doch ich fuhr fort: »Wir brauchen sie, um die Herrschaft des Feuers zu beenden. Er brennt unsere Häuser nieder, unser Vieh und uns.«

»Es liegt nicht in unserer Natur, in die Geschicke der Menschheit einzugreifen.« Mein Mut sank. War dies das Ende meiner von vornherein zum Scheitern verurteilten Reise? »Doch verschont er nicht einmal die geheiligten Plätze. Nicht die, der anderen Götter und auch nicht die seines Vaters. Aus diesem Grunde haben wir beschlossen, euch zu helfen. Nun ,Kind, erhebe dich und empfange unser Geschenk. Schließe deine Augen.« Ich tat, wie sie mir geheißen hatte und stand dort mit wackeligen Knien – einerseits vor Aufregung, andrerseits, weil meine alten Knochen auch schon nicht mehr immer das machten, was ich wollte. Die eisige Kälte riss an meinen Kleidern. Bald würde die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwinden und die kühle Nacht über uns hereinbrechen.

Und dann berührte ein goldenes Licht mein Innerstes und ich fühlte eine Wärme, wie ich sie seit Jahren nicht mehr hier in Fimbul gespürt hatte. Vom Splitter in meinem Herzen aus drang die Wärme augenblicklich in meinen gesamten Körper vor.

»Öffne deine Augen.«

 

Falls ihr euch über die knotigen Hände meiner Titelheldin wundern solltet: Ja, sie ist verdammte 84 Jahre alt und hat es immer noch drauf. Sie kämpft für ihre Überzeugung und lässt sich nicht unterkriegen.
Ich mag Snonninga, sie ist eine der sympathischsten Figuren, die ich bislang geschaffen habe. Und nicht, weil sie ungefähr gleich alt ist wie meine Oma. Aber ihr werdet sehen, sobald ihr das Buch lest, werdet ihr wissen, wieso ich sie so toll finde.

Wie immer würde ich mich freuen, wenn ihr mir eure Gedanken mitteilt.

Magische Grüße

CRRS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s